INSTALLATIONEN

25.– 28. November | PH Weingarten

Öffnungszeiten:  Do 14-17 Uhr | Fr 19-22 Uhr | Sa 10-13 Uhr | So 10-13 Uhr | Eintritt frei

Saskia Biehler/Niklas Müller

»Lotus« – Interaktive Installation für Launchpad und Kopfhörer

Lotus1.jpg

In dem Streichquartett Blossoming erzählt Hosokawa von der schönen und zugleich widerstandsfähigen Lotusblume – im Buddhismus eine Pflanze mit viel Symbolkraft. Über ein Launchpad können die Besucher und Besucherinnen einzelne Sequenzen des Werks ansteuern und so die Geschichte der Blume nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten. Durch diesen interaktiven Prozess sollen verschiedene Facetten von Hosokawas Komposition erfahrbar gemacht werden.

Eintritt frei

.

Magdalena Jutz/ Natalie Kiekopf

»Klang + Stille« – Interaktive Installation für begehbare Klangmatte

Klang + Stille Klangmatte Kopie.jpg

„In Sen VI habe ich versucht, einen neuen Klangraum einen Spalt weit zu öffnen [...]“ sagt Toshio Hosokawa über sein Werk für Schlagzeug solo. Unser Projekt „Klang + Stille“ möchte auf innovative Art einen individuellen Zugang zu diesem Klangraum schaffen. Die Besucher und Besucherinnen werden dabei selbst zum Komponisten und begegnen Ausschnitten aus Sen VI. Stille spielt dabei eine besondere Rolle: Genauso wie ein Pinselstrich durch den hinter ihm frei gelassenen Raum verstärkt wird, wird auch ein Klang durch einen darauffolgenden Moment der Stille verstärkt. Werden Sie mit diesem Projekt selbst aktiv und lassen Sie sich von der Stille berühren!

Magdalena Jutz

»Linie« – Interaktive Installation für Papier und Pinsel

Linie Kopie.jpg

Wann ist ein Pinselstrich zu Ende? Wann ist ein Klang zu Ende?

Erst der Leerraum nach einem Pinselstrich oder die Pause nach einem Klang definieren das Vorhergehende. So wie einzelne Pinselbewegungen auf dem Papier Linien erzeugen und das Innehalten mit dem Pinsel das Ende einer Bewegung definiert, ergibt sich aus einzelnen, unterschiedlichen Klängen und den darauf folgenden Pausen die Komposition Sen VI für Schlagzeug solo von Toshio Hosokawa, wobei »Sen« im Japanischen für »Linie« steht. Fühlen Sie sich eingeladen, den Linien des japanischen Schriftzeichens für »Sen« und seiner Verbindung zu Hosokawas Komposition nachzugehen! 

Studierende verschiedener Seminare

»Handgemacht« – Installation für tanzende Hände und eine Kamera

vierhaendig.jpg

Musik lässt sich über Bewegung besonders gut verstehen. Wir sind dann mit einer Vielzahl von Sinnen, mit unserem ganzen Körper in die Musik „verwickelt“. Unter den Bedingungen der Pandemie aber konnten die Bewegungen nur in Distanz der Seminarteilnehmer zueinander stattfinden, per Video. Notwendigerweise ließen sich ausschließlich die Hände in die Entwicklung musikbezogener Bewegungen einbeziehen. Nicht unbedingt ein Makel, verfügen doch die Hände über ein großes Repertoire an Gesten, über das hinaus man sie kneten, reiben, falten, streicheln, waschen, desinfizieren kann. Sie können geben und nehmen, lassen sich öffnen, schließen, drehen, schütteln, und das alles in ganz verschiedenen Qualitäten: sanft, hart, kraftvoll, fließend, stockend ... in schnellen oder langsamen, großen oder kleinen Bewegungen. Lassen Sie Ihre eigenen Handbewegungen Teil der von den Studierenden entwickelten Choreographie zu Toshio Hosokawas „Sakura (für Otto Tomek)“ für die japanische Mundorgel Shô werden, mit synchronen oder asynchronen Bewegungen, kontrapunktischen oder mitvollziehenden Bewegungen. Wie verhalten sich die Choreographie der Studierenden und die Musik zueinander? Wie ändert sich der musikalische Eindruck durch die eigenen Bewegungen?

Mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Prof. Hartwig Mackeprang, Fach Technik) 

Erläuterungen zum Inhalt und zur Entstehung des Education-Programms für weit! neue musik weingarten 2021 vor dem Hintergrund innovativer Hochschullehre

 

Von Prof. Dr. Christoph Stange, Leiter der Lehramtsstudiengänge Musik an der PH Weingarten

 

Die Zusammenarbeit mit weit! neue musik weingartenDie Entwicklung des Education-Programmes für weit! neue musik weingarten 2021 war ein äußerst vielschichtiger, in jedem Falle sehr anregender und kreativer Prozess, der allen Beteiligten viel abverlangte, der sich aber in jedem Falle gelohnt hat.

 

Seit den ersten Gesprächen war ein sehr großes Vertrauen der Festivalleitung in die Arbeit des Faches Musik an der PH Weingarten zu spüren. Die Anfrage, einige Educationbausteine für das diesjährige Festival zu entwickeln, fand ich schon allein aufgrund des im besten Sinne bildungsaffinen Ansatzes der neuen Festivalleitung sehr spannend, die vormaligen, äußerst renommierten Tage neuer Musik in die Breite zu tragen und damit auch Menschen erreichen zu wollen, die bislang vielleicht noch nicht mit zeitgenössischer Musik in Berührung gekommen waren.

 

Studierende als Musikvermittler:  Für mich war von Anfang an klar, dass damit sowohl eine schöne Bereicherung als auch eine Herausforderung für die Studierenden (und künftigen Musiklehrerinnen und Musiklehrer) verbunden sein könnte.

 

Vielleicht fragen Sie sich, was angehende Musiklehrerinnen und Musiklehrer mit einem Education-Angebot zu tun haben – schließlich sollen sie später doch einmal „nur“ Grund- und Sekundarstufenschüler unterrichten. Meine Antwort lautet: Viel!

 

Beginnen wir mit dem Rahmen. Stand heute sind drei Seminare mit entsprechend vielen Studierenden in unterschiedlicher Weise involviert, was ja auch bedeutet, dass es viel mehr studentische Arbeiten gab und gibt als die, die am Ende in den Räumen des Schlossbaus erklingen werden und von den Zuschauern erkundet werden wollen. Vor allem geht es darum, dass es sich um studentische Arbeiten handelt – Arbeiten also, die in offenen Prozessen von den Studierenden selbst entwickelt wurden und die beim Festival von allen Besucherinnen und Besuchern genutzt werden können. 

 

Alternative Konzerteinführung über partizipative Konzepte: Es war mir von Anfang an wichtig, dass die studentischen Projekte partizipativer Natur sein sollen, den Besuchern also ein Angebot machen, sich selbstbestimmt, dem eigenen Rhythmus und Interesse folgend, an einige der in den Konzerten zu hörenden Stücke von Toshio Hosokawa anzunähern. Damit wird ein deutlich anderes Konzept verfolgt als jenes klassischer Konzerteinführungen, bei denen Zuschauerinnen und Zuschauer häufig im gleichen Modus bleiben wie während der Konzerte, nämlich in einem mehr oder weniger passiven, in jedem Fall jedoch rezipierenden Modus. Stattdessen steht hier das Angebot eines produktiven Umgangs mit den Stücken Hosokawas im Raum, das die Zuschauer zu Akteuren werden lässt, indem sie spielerisch mit der Musik des composers in residence umgehen, indem sie seine Musik in immer wieder neuen Varianten neu zusammensetzen (componere!) und so ihr eigenes Stück gestalten oder indem sie im Zusammenspiel mit einer Bewegungsperformance eigene Bewegungen (und damit auch einen eigenen Zugang) zu der Musik entwickeln. Wir haben es hier also mit alternativen Konzerteinführungen zu tun, die nicht nur künstlerisch, sondern auch wegen ihrer digitalen Einbindung äußerst innovativ sind. Ich bin überzeugt, dass die von den Studierenden entwickelten Installationen die Festivalbesucher, aber auch die Mitglieder der Hochschule, die diese Installationen passieren werden, neugierig, besser noch: offenohrig machen werden für die Musik von Toshio Hosokawa, die in vielerlei Hinsicht unglaublich bereichernd ist.

 

Bildungserfahrungen: Den vielleicht längsten Weg sind in diesem Prozess wahrscheinlich die Studierenden gegangen, und ich bin sehr froh, dass sie sich auf dieses ihnen weithin unbekannte Terrain eingelassen haben. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass sie bislang kaum in positiver Weise mit zeitgenössischer Musik Erfahrungen machen, geschweige denn in musikalischen Projekten sich ausprobieren konnten. Gleiches gilt für musikbezogene Bewegungen oder auch für den produktiven Umgang mit digitalen Formaten. 12 Jahre Schule können auch in dieser Hinsicht die Erfahrungswelt gewaltig prägen. Die Rezipientenperspektive in künstlerischer Absicht mitzudenken und das gleichzeitig in einer Weise zu tun, die den Zuschauern Teilhabe im besten Sinne ermöglicht, ist deshalb aus hochschuldidaktischer Perspektive das Gebot der Stunde, und die Arbeit jenseits von schulischen Zusammenhängen eine ganz wichtige Horizonterweiterung, die verdeutlicht, was man im schulischen Musikunterricht ganz schnell zu vergessen droht: Es gibt Musik jenseits von Schule, jenseits von Smetanas Moldau und Vivaldis Jahreszeiten, es gibt Musik, die auch in heutigen Zeiten als relevante Kunst ersteht – die manchmal vielleicht nicht sofort zu greifen ist, um deren Verständnis es sich aber zu kämpfen lohnt – schon allein, weil es das Fremde, das Unbekannte ist, mit dem wir besonders gute und nachhaltige Bildungserfahrungen machen können. Wir sprechen in der Hochschuldidaktik in solchen Zusammenhängen von der Transformation (meist schulisch erlernter) Überzeugungen, und es ist ein wirklich großartiges Geschenk, solche Entwicklungen bei den Studierenden beobachten zu dürfen, und das umso mehr, als sich eine zunehmende Dynamik bei den Studierenden mit immer neuen Ideen und völlig selbstständigen, dabei aber am Ziel der Konzerteinführung orientierten Aktivitäten beobachten ließ. Ich bin mir sicher: Solche Erfahrungen werden sich in der späteren Arbeit als Musiklehrende in Schulen positiv auswirken, vielleicht sogar in der Weise, dass unsere jetzigen Studierenden Formate für die Schülerinnen und Schüler entwickeln, die ihnen Partizipation im Sinne eines selbstbestimmten Umgangs mit Klängen, mit vertrauter und fremd erscheinender Musik ermöglicht und sie damit auch ernst nimmt.

 

PH Weingarten setzt auf praxisnahe Hochschulbildung: Insofern bin ich auch der Hochschulleitung sehr dankbar, die vorausschauend die Zusammenarbeit mit weit! neue musik weingarten bejaht und damit die kaum in ihrer Bedeutung zu unterschätzenden Möglichkeiten einer musikpädagogisch orientierten, praxisnahen Hochschulbildung in sehr schöner Weise befördert hat!

Himmel1_edited_edited.jpg
Logo weiss1.png

Nur noch Restkarten

an der Konzertkasse

erhältlich